
Es gibt bestimte Hunderassen, die ein so klares Aussehen haben, dass selbst ein Laie Sie irgendwie deuten kann. So sollte man die Eisbärähnliche Erscheinung des Tatrahundes in die Beziehung bringen mit kalten Gebieten; in diesem Fall das Hochgebirge mit ewigen Schnee auf dem Gipfel. Nicht das dieser Hund nun immer im Schnee herumläuft, aber es ist irgendwo in dieser Richtung ... Traditionel werden die Tatrahunde angewendet für den Schutz von Schafherden in den hochgelegen Polnischen Sommerwiesen gegen Wölfe und Bären, obwohl es auch andere Anwendungsmöglichkeiten gibt. Obwohl der offizielle Nahme Owczarek Podhalanski sich übersetzen lässt mit Podhalaner Hirtenhund soll der Tatrahund (auch als polnischer Berghund bekannt) keineswegs aufgefasst werden als eine Variante z.b des Border Collies, der die Aufgabe hat, die Schafe zusammen zu treiben. Wann dieser Rasse entstanden ist, lässt sich schwer erklären.Von der Übereinstimmung zwischen Herdenschutzhunderassen aus den Berggebieten Mittel und Süd-Europas, Klein und Mittel- Asiens, lässt sich eine grosse Verwanntschaft feststellen. Demzufolge hat diese Rassen höchstwahrscheinlich eine gemeinsame oder teils übereinstimmende Herkunft, die weit zurück führt vor unsere Zeitrechnung. Manche dieser Rassen unterscheiden sich durch ihre weisse Farbe. Einige sind gelblich mit schwartzer Maske, andere wolfsgrau oder Schwarzmarmoriert. Die weisse Farbe, das meist ins Auge springende Kennzeichen dieser Tatrahunde, wird schon bei artgleichen Hunden beschrieben durch den Römer Columella (1. Jahrhunderd nach Chr.) und den Italiener Petrus de Crecentis (15. Jahrhunderd). Der Tradition nach sollen diese Hunde eine weisse Farbe haben, damit die Hirten ihre Hunde nicht mit Wölfen verwechseln, wenn Sie im Moment aktiver Verteidigung Hilfe brauchten. Der Tatrahund verdankt seinen Namen dem Grenzgebirge des heutigen Polen und der Tchechoslowakei, einem Teil der durch ganz Europa verlaufende Karpaten. Ihr Bestehen wird als sicher angenommen seit dem Eintreffen der Walachen im 14. oder 15. Jahrhundert. Die Walachen waren ein romanisiertes Hirtenvolk Traco-Daciërischen Ursprungs, aus dem sich später die Polen, Ruthenen und Slowaken bildeten. Die Walachen werden zudem auch als Vorgänger der Rumänen betrachtet. Ursprünglich führten sie ein nomadisches Leben. Im 13. u. 14. Jahrhundert wurden sie jedoch von den Ungaren von ihren eigentlichen Weideplätzen verjagt. Die Walachen bilden seit langer Zeit eine feste Organisation von Hirtengesellschaften, mit einer ganz eigenen Kultur, berühmt für ihre weitgehende Kenntnis der Viehzucht im Gebirge, Käsebereitung u.s.w.. Manche Traditionen und Gewohnheiten, welche bei den Goralen (Bewohner des Gebirges) noch immer Brauch sind, sind zurückzuführen auf die Walachen. Der Teil ihres kulturellen Erbgutes, dass für uns von Interesse ist, betrifft den grossen weissen Hund, der treue Beschützer und Wächter von Schäferherden, Haus und Hof. Des offizielle Name Owczarek Podhalanski, Hirtenhund aus der Podhale, ist etwas mehr informativ als nur Polnische Berghund. Podhale deutet auf das Gebiet, nahe Zakopane im Norden der hohen Tatra. Zusammen mit dem Talkessel des Orawia-Nowotara und Spisko-Gubalow wie der Senke des Podtatra kann man hier den meisten Tatrahunden begegnen. Im Gebirge selbst trift man sie sehr wenig. Häufig begegnet man ihnen auch in den Dörfern der Tatra. Schriftliche historische Angaben sind sehr selten, ebenso wie alte Gemälde. Interessant ist vielleicht ein Bild von Lucas Cranach, die Hofjagd bei Torgau, was dem Kürfürsten Johannes Frederik vom Sachsen betrifft. Es ist bis ins Detail gemalt, und zwischen den vielen Windhunden und Bracken sind auch einige Tatrahunde zu sehen als Teilnehmer an der Jagd (Kunsthistorisches Museum Wien). Das die Qualitäten dieser Rasse nicht auf die Berggebiete beschränkt waren, zeigt sich aus erhaltenen Schriften des 19. Jahrhunderts, wo von Bestellungen des grossen weissen Hunde die Rede war, geeignet für die Überwachung von Landgütern. Allgemeines Interesse bekam der Hund auf grösserer Ebene erst nach dem ersten Weltkrieg. Das Korps der Grenzüberwachung machte 1922 einen Anfang mit der gezielten Zucht und Ausbildung. Ein gewisser Herr Trybulski setzte sich dafür ein, den Status als einzelne Rasse unter den Namen 'Owczarek' Tatranski (Hirtenhund von den Tatra) zu klassifizieren. Eine ähnliche Entwicklung fand an der anderen Seite des Hohen Tatra in der Tschechoslowakei statt. Die Polnische Kynologie bekam erst in den 30er Jahren etwas mehr Form. Der erste Zuchtstandart wurde aufgestellt von der Genossenschaft der Liebhaber von Schutzhunden im Jahre 1937. Damals fand in Zakopane auch die erste Ausstellung von Tatrahunden statt. Von den 65 eingeschriebenen Tatras bekamen 18 die Klassifikation SG und wurden danach in das Stammbuch einbeschrieben. Die Popularität nahm zu, und der Hund kam sogar etwas in Mode. Das war der Ansatz zur intensiven Zucht und Vervielfältigung, ohne einen Bedarf auf die Rassekennzeichen oder Charakter zu benehmen. Auf diese Weise sind auch Fehler festgestellt worden, etwa der, dass den damaligen Liebhabern ein inkorrekter Zuchtstandart nachzuweisen war. Die mehrmaligen Änderungen des Zuchtstandarts danach, beziehen sich auf die verschiedenen Meinungen über das typische und genaue Aussehen des Tatrahundes. Darüber sollte man sich nicht wundern, denn solche alten Landrassen kennzeichnen sich in den am meisten reinen Formen durch eine relativ hohe potentielle Variabilität aus. Dabei wurden andere Hundetypen eingekreuzt, was es schwer machte, die Hunde genau zu identifizieren. Was gehört zur natürlichen Rasse eigener Verschiedenheit und ist der Erfolg einer Kreuzung? Manche geben eine Einteilung, nach der es sich neben imposanten Grössen und Schwerknochigen, um einen wendigen, leichter gebauten und und kleineren Typ handelt. Oft etwas niedriger. Neben den heutigen vom Zuchtstandard festgelegten langen Fell, fand man auch Typen mit kurzen Fellvarianten (wie bei dem Akbash, Maremmo-Abruzzese,usw). Erna Mohr vermutete, dass diese leicht gebauten und höher auf den Beinen stehenden Exememplare mit eher kürzen Fell das Blut führen von den Hunden aus Transsylvanien. Eine Rasse, aus der mit grosser Sicherheit der Tatrahund entstammt, und das der Kynology entschlüpft ist, war der Hirtenhund aus Pommern, einer der sogenannten bodenständigen Hirtenhunde.(Sh. auch den Toepoel). Der Pommerische Schafzuchtverband hat sich am Anfang des zweitem Weltkriegs noch sehr viel Mühe gegeben. Pommern liegt heute in Polen und man kann annehmen, dass er ein Abkömling des Tatrahundes ist, oder vielleicht einer regionalen Variante. Blutauswechslung wird jedenfalls als nicht unwahrscheinlich betrachtet. Der Pommer war etwas niedriger und leichter gebaut als der Tatra, der Schädel war nicht so stark gewöbt, ungefähr so wie ein weisser Hovawart. Es blieb leider keine Zeit mehr, dieser Problematik weiter auszuarbeiten. Durch das Ausbrechen des zweiten Weltkrieges war diese Pionierarbeit umsonnst. Sogar das ganze Polnische Hundestammbuch, ging verloren. Nach dem Krieg musste man schon wieder ganz von vorne beginnen. In den fünfziger Jahren wurden die Interessen beherzigt durch die kynoligischen Verbände aus Kraków und Zakopane. Tatrahunde erschienen wieder an Ausstellungen. Aus dem Wünsch nach einer Inventarisierung des ganzen Bestandes heraus wurde 1955 in Zakopane eine Ausstellung veranstaltet, bei der so ungefähr 100 Tatrahunden eingeschrieben wurden. Unter Leitung des Prof. Dr. T. Marchlevski von der Universität von Kraków (der sich schon vor Beginn des zweiten Weltkriegs mit diesser Rasse beschäftigt hatte), Dr. Z. Robl, Frau Prof. Dr. J. Dyakowska und Mr. L. Smyczynski ('der Polnische Toepoel) wurden die besten Hunde selektiert als Hinweiss für den Züchter. Es wurde ein neuer Zuchtstandart erarbeitet, anerkannt durch die FCI 1967, nachbearbeitet 1972 und nochmals 1985. Ab 1970, als das Interesse für diese Rasse im Ausland zunahm, wurden regelmässig Hunde eingeschrieben in das PKR (Ponisches Hunde Stammbuch der FCI). Auch heutzutage sind noch längst nicht alle dieser Polnischen Tatrahunden registriert. Für den Ausländer gibt es dadurch immer wieder Probleme mit den Import guten Zuchtmaterials. Man muss viele Probleme überwinden, bevor man einen Hund findet der gute Papiere hat, Rassetypisch ist, in die Linie passt und von guten Charakter ist. Der Tatrahund kommt jetzt schon seit 27 Jahren in den Niederlanden vor, etwas länger in Belgien. Es gibt ein Verein für diesse Rasse und einige Züchter welche die Belange dieser Rasse gut im Auge behalten. Die ganze Zahl dieser Hunde in den Niederlanden liegt so ungefähr bei 600 Hunden. Züchter und Liebhaber dieser Rasse haben regelmässig Kontakt mit dem polnischen Zuchtverband. Speziell Herrn Dr. Henryk Derezinsky (Ehrenmitglied des Niederländischen Rassevereines), der sehr viel für diesse Rasse getan hat. In den Niederlanden werden die Tatrahunde fast nur als Haus- und Gesellschafthund gehalten, und vielleicht hie und da als Wachhund. Man könnte den Hund selbst in einer kleineren Wohnung halten, wenn der Hund genügend Bewegung und frische Luft, und täglich mindestens drei längere Spaziergänge bekommt. Das gut entwickelte selbstreinigende Fell ist entstanden als eine Folge der klimatischen Bedingungen.Ursprünglich waren sie fast immer draussen, ungeachtet der Witterung. Sie fürchten weder Schnee, Regen oder Kälte. In ihrem ursprünglichen Lebensraum beschützen und überwachen die Hunden selbständig die Herde gegen Angreifer, aber auch achteten sie darauf, dass die Schafe nicht in die falsche Richtung gingen. Tatrahunde sind auch geeignet für die Überwachung von anderen Vieh. Auch sind sie sehr geschickt für die Überwachung von Wohnhausern, Objecten usw. Zudem werden sie auch eingesetzt für Grenzüberwachung und vom Polnischen Millitär gezüchtet. Wegen ihrer grossen Intelligenz, werden sie oft auch als Rettungshund benützt. Durch die Verwendung als Herdenwächter sind diese Hunde sehr selbständig und unabhängig. Der Hund hat einen starken drang Situationen auf seine eigene Art zu beurteilen und zu handeln. Etwas tun, ohne dass er den Sinn davon einsieht, verweigert er oft. Die Hunde sind ihren Familienmitgliedern sehr zugetan und sehr empfindlich für liebe Wörtchen. Mit Liebe und Geduld erreicht man am meisten. Sensibel, Selbstsicher, Aufmerksam und Inteligent sind diese Hunde und Fremden gegenüber misstrauisch und ablehnend. Im Haus sind sie durchaus ruhig und dösen gern vor sich hin. Es sind nun einmal keine Treibhunde. Alle ihre Tätigkeiten liegen im Bewachen und Beschützen. |
