#
Getreide im Hundefutter: Schädlich oder völlig unproblematisch?

Getreide im Hundefutter: Schädlich oder völlig unproblematisch?

Ist Getreide im Hundefutter schädlich oder gesund? Die kurze Antwort lautet: Für gesunde Hunde ist hochwertig aufgeschlossenes Getreide im Hundefutter völlig unproblematisch und dient als wertvolle Energiequelle. Nur Hunde mit einer nachgewiesenen Getreideallergie oder einer Glutenunverträglichkeit benötigen zwingend getreidefreies Futter.

Der Hund als Allesfresser: Evolutionäre Anpassung

Viele Hundebesitzer glauben, dass unsere Hunde reine Fleischfresser sind. Das ist jedoch ein weit verbreiteter Irrtum. Im Laufe der Jahrtausende hat sich der Hund an die Seite des Menschen angepasst. Während dieser Domestikation veränderte sich auch sein Verdauungssystem erheblich. Hunde lebten oft von den Essensresten der Menschen, die zu einem großen Teil aus Getreide und Stärke bestanden.

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Hunde im Vergleich zum Wolf deutlich mehr Kopien des sogenannten AMY2B-Gens besitzen. Dieses Gen ist für die Produktion von Amylase verantwortlich. Amylase ist ein Enzym in der Bauchspeicheldrüse, das für die Spaltung von Stärke notwendig ist. Unsere Hunde können Stärke aus gekochtem Getreide daher sehr gut aufspalten und als Energiequelle nutzen. Aus biologischer Sicht sind Hunde heute also Omnivoren, das bedeutet Allesfresser mit einer Vorliebe für Fleisch.

Welche Nährstoffe liefert Getreide im Hundefutter?

Getreide liefert weit mehr als nur reine Energie. Es enthält wichtige Nährstoffe, die für die Vitalität des Hundes eine Rolle spielen. Dazu gehören Vitamine der B-Gruppe, wertvolle Mineralstoffe wie Magnesium und Eisen sowie essenzielle Fettsäuren. Die im Getreide enthaltenen Ballaststoffe unterstützen zudem eine gesunde Darmflora und regulieren die Verdauung.

Die Auswahl der Getreidesorte bestimmt den Nährwert. Haferflocken bieten zum Beispiel einen hohen Anteil an Ballaststoffen, während Reis besonders leicht verdaulich ist. Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht über die am häufigsten verwendeten Getreidesorten und deren primäre Eigenschaften.

GetreideartWichtigste NährstoffeBesondere Eigenschaft
HaferflockenB-Vitamine, Zink, EisenSehr magenschonend, hoher Faseranteil
VollkornreisKomplexe Kohlenhydrate, MagnesiumGlutenfrei, leicht verdaulich
GersteBeta-Glucane, BallaststoffeSorgt für einen stabilen Blutzuckerspiegel
HirseKieselsäure, Fluor, EisenGlutenfrei, gut für Haut und Fell

Getreideallergie beim Hund: Mythos oder echte Gefahr?

In den letzten Jahren hat getreidefreies Hundefutter einen regelrechten Boom erlebt. Oft wird Getreide als Hauptauslöser für Allergien, Juckreiz und Verdauungsprobleme dargestellt. Die Realität in der tierärztlichen Praxis sieht jedoch anders aus. Die meisten Futtermittelallergien bei Hunden werden durch tierische Proteinquellen wie Rind, Huhn oder Milchprodukte ausgelöst. Eine echte Allergie gegen Getreide, insbesondere gegen Weizen, kommt im direkten Vergleich nur sehr selten vor.

Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihr Hund sein Futter nicht verträgt, sollten Sie systematisch vorgehen. Ein unüberlegter Wechsel auf getreidefreies Futter führt selten zum Ziel und verschleiert oft das eigentliche Problem.

  1. Suchen Sie einen Tierarzt auf, um andere organische Ursachen oder Parasiten auszuschließen.
  2. Führen Sie unter fachlicher Anleitung eine strikte Ausschlussdiät über mindestens sechs bis acht Wochen durch.
  3. Verwenden Sie in dieser Zeit eine einzige, dem Hund bisher unbekannte Proteinquelle und eine Kohlenhydratquelle.
  4. Führen Sie nach Abklingen der Symptome gezielte Provokationstests durch, um den genauen Auslöser zu identifizieren.

Glutenfreies Getreide und Pseudogetreide als Alternative

Sollte Ihr Hund tatsächlich empfindlich auf Weizen oder das darin enthaltene Klebereiweiß Gluten reagieren, müssen Sie Kohlenhydrate nicht komplett vom Speiseplan streichen. Es gibt hervorragende Alternativen, die vollkommen glutenfrei sind. Dazu gehören neben glutenfreien Getreidesorten auch sogenannte Pseudogetreide, die botanisch gesehen zu anderen Pflanzenfamilien gehören, aber ähnlich verwendet werden.

Diese Alternativen sind oft sehr nährstoffreich und bieten Hunden mit einem empfindlichen Verdauungstrakt eine gut verträgliche Energiequelle. Sie können sowohl in Nassfutter als auch in Trockenfutter problemlos eingesetzt werden.

  • Reis und Wildreis: Sie sind extrem leicht verdaulich und belasten den Darm nicht.
  • Hirse: Diese glutenfreie Getreidesorte ist besonders reich an Mineralstoffen und Spurenelementen.
  • Amaranth und Quinoa: Diese Pseudogetreide liefern viel pflanzliches Eiweiß und wichtige Aminosäuren.
  • Buchweizen: Er ist gut für den Blutzuckerspiegel und liefert wertvolle Mineralstoffe.

Auf die Qualität und die Zubereitung kommt es an

Rohes Getreide ist für Hunde absolut unverdaulich. Die darin enthaltene Stärke kann vom Hundekörper in rohem Zustand nicht aufgespalten werden. Dies führt zu Gärungsprozessen im Dickdarm, Blähungen und Durchfall. Damit der Hund die Nährstoffe optimal nutzen kann, muss das Getreide thermisch aufgeschlossen werden. Das geschieht beim Kochen, Backen oder durch das moderne Extrusionsverfahren bei der Futterherstellung.

Achten Sie beim Kauf von Hundefutter auf eine transparente Deklaration. Billige Füllstoffe sollten vermieden werden.

Experten-Tipp von Tierernährungsberatern: Vermeiden Sie Futter, bei dem in der Zutatenliste lediglich der Begriff Pflanzliche Nebenerzeugnisse steht. Dies deutet oft auf minderwertige Abfallprodukte aus der Getreideverarbeitung hin. Suchen Sie nach Begriffen wie Vollkornhaferflocken oder brauner Reis. Das zeigt, dass hochwertige Rohstoffe verwendet wurden.

Die Risiken einer getreidefreien Ernährung

Viele Hundebesitzer greifen blind zu getreidefreiem Futter, ohne zu wissen, dass dies auch Nachteile haben kann. In getreidefreien Futtermitteln wird das Getreide meist durch Kartoffeln, Süßkartoffeln, Erbsen oder Linsen ersetzt. Diese Zutaten liefern zwar ebenfalls Kohlenhydrate, stehen jedoch unter Verdacht, bei übermäßigem Verzehr gesundheitliche Probleme zu begünstigen.

Einige Studien aus den USA untersuchten einen möglichen Zusammenhang zwischen getreidefreiem Hundefutter mit sehr hohem Anteil an Hülsenfrüchten und dem Auftreten von DCM, einer schweren Herzerkrankung bei Hunden. Auch wenn die genauen Ursachen noch erforscht werden, zeigt dies, dass ein Verzicht auf Getreide nicht automatisch die gesündere Wahl ist.

KriteriumFutter mit GetreideGetreidefreies Futter
EnergiequelleStärke aus GetreideStärke aus Kartoffeln oder Hülsenfrüchten
BallaststoffgehaltSehr ausgewogen, darmfreundlichTeilweise sehr hoch durch Hülsenfrüchte
AllergenpotenzialGering, außer bei GlutenunverträglichkeitSehr gering, gut für Allergiker geeignet
VerdaulichkeitSehr hoch bei aufgeschlossenem GetreideGut, kann bei empfindlichen Hunden Blähungen verursachen

Wie viel Getreide gehört in den Hundenapf?

Es gibt keine feste Regel, die für jeden Hund gleichermaßen gilt. Der optimale Getreideanteil im Futter hängt stark vom Alter, dem Aktivitätsniveau und dem individuellen Stoffwechsel Ihres Hundes ab. Ein junger, sportlich aktiver Hund, der viel rennt oder im Hundesport aktiv ist, benötigt deutlich mehr schnell verfügbare Energie in Form von Kohlenhydraten als ein gemütlicher Senior.

Wenn Sie das Futter für Ihren Hund selbst zusammenstellen, zum Beispiel beim Barfen oder Kochen, sollten Sie den Getreideanteil langsam anpassen und die Verträglichkeit beobachten.

  1. Analysieren Sie den täglichen Energiebedarf Ihres Hundes anhand seiner Aktivität.
  2. Wählen Sie eine gut verträgliche Getreidesorte wie Hirse oder Haferflocken als Basis.
  3. Kochen Sie das Getreide sehr weich, um eine optimale Verdaulichkeit zu garantieren.
  4. Beobachten Sie über mehrere Wochen das Fell, das Gewicht und den Kotabsatz Ihres Hundes.

Die besten Getreidesorten für Ihren Hund

Wenn Sie sich für eine Fütterung mit Getreide entscheiden, sollten Sie auf Sorten setzen, die dem Hund den größten gesundheitlichen Nutzen bringen. Jedes Getreide hat seine eigenen Stärken, die gezielt eingesetzt werden können.

Die richtige Auswahl hilft dabei, die Verdauung zu regulieren, das Immunsystem zu stärken und dem Hund ein glänzendes Fell zu schenken.

  • Haferflocken: Hervorragend für Hunde mit empfindlichem Magen, da sie die Magenschleimhaut schützen.
  • Hirse: Ideal für Allergiker, stärkt durch die Kieselsäure das Bindegewebe und die Krallen.
  • Naturreis: Liefert langanhaltende Energie und ist sehr leicht bekömmlich.
  • Dinkel: Eine gute Alternative zu Weizen, da er oft wesentlich besser vertragen wird.

Individuelle Fütterung statt starrer Trends

Am Ende zeigt sich, dass es in der Hundeernährung kein einfaches Schwarz-Weiß-Denken geben sollte. Getreide ist weder ein billiger Schadstoff noch ein unersetzliches Wundermittel. Es ist eine natürliche, leicht verdauliche und nährstoffreiche Zutat, die den Speiseplan Ihres Hundes sinnvoll ergänzen kann. Schauen Sie auf Ihren Hund, beobachten Sie seine Vitalität und entscheiden Sie sich für ein Futter, das zu seinen individuellen Bedürfnissen passt, anstatt blind aktuellen Modetrends zu folgen.

Frequently Asked Questions (FAQ)

Ist Getreide im Hundefutter grundsätzlich ungesund?

Nein, für gesunde Hunde ist thermisch aufgeschlossenes Getreide eine sehr gut verträgliche und wertvolle Energiequelle. Es liefert wichtige Vitamine, Mineralstoffe und Ballaststoffe für eine gesunde Verdauung.

Welches Getreide ist für Hunde am besten verträglich?

Reis, Haferflocken und Hirse gelten als besonders leicht verdaulich und magenschonend. Vor allem glutenfreie Sorten wie Hirse eignen sich hervorragend für sensible Hunde.

Wie erkenne ich eine Getreideallergie beim Hund?

Symptome einer Unverträglichkeit können starker Juckreiz, gerötete Hautstellen, häufige Ohrenentzündungen, Blähungen oder Durchfall sein. Gewissheit bringt nur eine tierärztlich begleitete Ausschlussdiät.

Warum ist rohes Getreide für Hunde schädlich?

Hunde können die im rohen Getreide enthaltene Stärke nicht abbauen. Sie gelangt unverdaut in den Dickdarm, wo sie gärt und schmerzhafte Blähungen sowie Durchfälle verursacht.

Ist getreidefreies Hundefutter immer die gesündere Wahl?

Nein, getreidefreies Futter ist nur bei einer nachgewiesenen Unverträglichkeit notwendig. Oft enthält es stattdessen sehr viele Hülsenfrüchte, was für manche Hunde schwerer verdaulich sein kann.


SHARES
205
LIKES
205
  • #
  • #
  • #
  • #
  • #
  • #
  • #
  • #
  • #
  • #
  • #
  • #
  • #
  • #
  • #
  • #
  • #
  • #
  • #
  • #
  • #
Hunde Magazin
Privacy Overview

This website uses cookies so that we can provide you with the best user experience possible. Cookie information is stored in your browser and performs functions such as recognising you when you return to our website and helping our team to understand which sections of the website you find most interesting and useful.