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Zum Geleit

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Liebe Hundefreude!

Das Halten von Tieren im eigenen Heim darf keineswegs nur als Liebhaberei, als ein „Hobby“ angesehen werden, wie etwa das Markensammeln oder Basteln. Die „Liebhaberei“ für Tiere ist ein ernstzunehmender Erziehungsfaktor, sie dient der Volksbildung im wahrsten und edelsten Sinne des Wortes. Sie nimmt in dem Maße an Bedeutung zu, in dem eine verstädterte Menschheit sich der Natur entfremdet und das im Heim gehaltene Tier ebenso wie die Pflanze – zum wichtigsten Berührungspunkt mit der lebenden Natur wird.

Vernünftig betriebene Tierhaltung muß zwei wesentliche Gefahren vermeiden, die eine ist Tierquälerei, die andere liegt in der Belästigung, hygienischen Beeinträchtigung, ja Gefährdung von Mitmenschen. Auf der anderen Seite geschehen gegen Tiere Grausamkeiten, die ein wahrhaft erschreckendes Licht auf das Seelenleben derer werfen, die sie begehen.

Die Haltung von Heimtieren kann dem Städter hohe Werte ersetzen, die ihm sonst durch seine Entfremdung von der Natur unwiederbringlich verloren gehen würden. Vom Tier im eigenen Heim kann der Städter so manches lernen, was allen Menschen zu wissen not tut. Wer mit einem guten Hund verständig umzugehen vermag, hat ethische Werte erworben, die allzu vielen modernen Menschen abhanden gekommen sind.

Ich schätze den kulturellen Wert der Heimtierhaltung so hoch ein, daß ich, wo immer sich Gelegenheit dazu bietet, für sie Propaganda mache. Wenn es mir gelingt, den Wunsch eines verständigen Kindes nach einem Hund bei den Eltern durchzusetzen, so weiß ich, daß ich eine wirklich gute Tat vollbracht habe.

Eine solche Tat kann aber ihre Früchte nur dann tragen, wenn die Tierhaltung Erfolg hat, und nicht im Zugrundegehen des Tieres oder im Zwist mit Nachbarn endet. In diesem Sinn möchte ich Ihnen, liebe Tierfreunde, diese Broschüre sehr ans Herz legen.
Konrad Lorenz

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