#
5 Tage Hunde und Irland

5 Tage Hunde und Irland

Eine Freundin von mir wohnt in Irland und ist irgendwie dazu gekommen, dort ein mittelgrosses Tierheim zu haben. In Irland werden aufgelesene Streuner nach 5 Tagen (!) eingeschläfert.

Da Tierschutz in Irland nicht gerade gross geschrieben wird und unendlich viele Hunde ausgesetzt werden, konnte sie wohl nicht widerstehen, wenigstens etwas für Hunde zu tun. Sie konzentriert sich aber auf Border Collies / Working Sheepdogs / Farm Collies, um für die ein neus, gutes Zuhause zu finden. Die meisten werden in Deutschland vermittelt, einige in Frankreich, den Niederlanden und der Schweiz. Durch Kontaktaufnahme zu Pro Animale und Collies in Not in Deutschland hat sie jeweils 1 Hund vermitteln können. Hoffentlich kommen durch diese Kanäle noch mehr Hunde an gute Stellen. Alle anderen Vermittlungen laufen auf privater Basis ab, was natürlich Homechecks usw. fast unmöglich macht. Das ist schade, aber leider anders im Moment nicht möglich. Momentan hat sie fast 30 Hunde, davon 10 eigene (alle “errettet”). Glücklicherweise ist ihr Haus recht gross und das Grundstück erst recht. Vor einigen

Monaten dann fragte sie mich, ob ich nicht für ein Wochenende “Hundesitten” könnte, weil sie endlich mal wieder nach Hause wollte. Klar hab’ ich zugesagt – ich bin auch auch hier in England ehrenamtlich für 2 Tierheime tätig und konnte einfach nicht nein sagen. Wenn ich allerdings gewusst hätte, worauf ich mich einlasse…. Jedenfalls hatte ich mir schon gedacht, dass es schrecklich viel Arbeit geben würde. Da ich Probleme mit dem Rücken habe, rief ich gleich meine Schwester an und fragte, ob sie nicht jemanden kennt, der gerne mitkommen würde.

Glücklicherweise wollte eine Freundin von ihr mit. Sie ist Agility-Trainerin und freute sich darauf, mal so richtig mit vielen Border Collies zu tun zu haben.Ich bin dann schon dienstags nach Irland geflogen, um wenigstens ein paar Tage zu haben, um alles zu lernen, meine “Helferin” kam Freitag abend nach. Dies sind die Hunde, die ein Zuhause bei meiner Freundin gefunden haben: Elkie, Floppy, Foxy (3 x Norwegischer Elchshund-Labrador-Cross), Toby (Collie-Pointer-Cross), Teddy (Border Terrier-Dackel-Cross), Otto (Pointer, geistig zurückgeblieben, ca. 7 Jahre), Ben (Border Collie, ca. 10 Jahre), (Norwegischer Elchshund, ca. 13 Jahre) und die Zwillinge Yanni und Becky (Border Collies, 8 Monate). Die Border Collies, die auf Vermittlung nach Deutschland warten, heissen:Tom, Dick, Harry, Milly, (3 Monate alte Kurzhaar Borders), Cahir, Cashel, Carrick, Suir, Nenagh (10 Wochen alte Tricolor Langhaar Borders), Lucky (Border-Whippet-Cross), Tim (Border-weiss-nicht-was-Cross), und die Borders Marley, Higgins, Flynn, MacGregor und Little Feather.

Der Tagesablauf sieht ungefähr so aus: 5. 30 Uhr aufstehen (man wird geweckt durch die bellenden Welpen). GrumpyOtto und Little Feather schlafen im Flur mit Ben und diese beiden gehen an der Leine raus – Otto, weil er eine 25 cm lange genähte Wunde auf der rechten Hüfte hat, Little Feather weil sie scheu und ängstlich ist – Ben macht sich selbständig auf den Weg.Grumpy, Yanni, Becky und Teddy gehen in den ersten Auslauf, Grumpy wird dann weiter in den 3.

Auslauf umgeleitet, wo Ben schon auf ihn wartet. Little Feather frisst im Haus und geht anschliessend zu Ben und Grumpy in den Auslauf. Die Welpen bleiben meistens in der Küche und dürfen dort auf dem Boden pupsen … wischen muss man ja eh‘. Zu Teddy, Yanni und Becky gesellen sich später Lucky und die Welpen, um die sie sich kümmert (Tom, Dick, Harry und Millie). Alle Hunde fressen zusammen im Auslauf. Wenn das Wetter gut ist, gehen Yanni und Becky später in das grosse Collie Gehege zu ihrer Mutter Higgins, die dort mit Marley, MacGregor, Flynn und Tim lebt. Dann werden die Elkies und Toby gefüttert und in ihren Auslauf gelassen. Abends wenn meine Freundin von der Arbeit nach Hause kommt, dürfen die Collies in den Garten und frei herumlaufen. Im Haus – dadurch, dass die Elkies den ganzen Tag alleine im Haus sind, gelten bei meiner Freundin andere Regeln. Die Elkies spazieren durch die offenen Fenster rein und raus wie es ihnen passt und hopsen dafür schon mal auf die Arbeitsflächen. Das dürfen die. Was sie nicht dürfen, ist Geschirr ablecken oder in der Spüle nach Essbarem suchen bzw. auf dem Herd stehende Töpfe leerfressen. Das ging aber alles ganz gut, da wir ja den ganzen Tag da waren.Um die Hunde aus dem Garten in die Küche zu bekommen, lautet der Befehl „All dogs in the kitchen“. Wenn man die Küche elkiefrei haben möchte, ist der Befehl „All dogs in there“ wahrend mit dem Arm auf den Wohnzimmerteil gezeigt wird. Klappt prima mit denen. Um die Monster von Möbeln, Fensterbänken etc. runterzukriegen ist der Befehl nur „Get down“ – und darauf gehorchen sie wirklich einmalig.Zum Essen müssen sich alle Hunde setzen, vorher gibt’s nix. Dasselbe gilt fürs Rausgehen in den Garten (Teddy sitzt nicht auf dem Steinfussboden). Das ist die erste Grundregel, die alle neun Hunde lernen, auch die winzigen Welpen, die teilweise mit 7 Wochen bei ihr ankommen. Die verstehen es allerdings am schnellsten und nach spätestens 2 Tagen gibt es ken Herumgespringe mehr. Grumpy bekommt abends einen „Snack“ bevor er schlafen geht (Würstchen oder so), Otto meistens einen Apfel.

Das hört sich alles recht einfach an, aber es ist tatsächlich harte Arbeit! Da ich die Hunde ja nicht so gut kannte und vor allem Angst hatte, dass sich welche prügeln, habe ich auch nur die Hunde zusammen in die Ausläufe getan, die auch zusammen wohnen. Das hiess natürlich, dass ich ständig unterwegs war. Die armen Kerlchen können ja nicht ständig drinnen sein! Aber natürlich müssen auch Ausläufe, Betten etc. täglich saubergemacht werden. Leider, leider war das normale Futter für die Hunde vorher nicht mehr erhältlich, so dass wir neues Futter ausprobieren mussten. Und alle Hunde hatten leichten Durchfall. Ich glaube nicht, dass sich das jemand lebhaft vorstellen möchte…. Jedenfalls daurte das Saubermachen ziemlich lang und ich musste täglich ca. 3 Maschinen Wäsche waschen – ausschliesslich Hundebetten! Grumpy ist ausserdem noch inkontinent und pieselt häufig ins Haus. Da ja auch die Welpen alles auf den Boden machen, kommt man mit dem Wischen kaum hinterher. Den Geruch kriegt man gar nicht mehr weg! Zu allem Überfluss hat es auch noch viel geregnet. Meine “Helferin” und ich waren schon um ca. 6 Uhr total eingesaut. Border Collies (die anderen lustigerweise gar nicht!) neigen sehr zum Anspringen. Ich weiss ja, dass man das nicht dulden soll, aber wie setzt man sich durch, wenn die Hunde das nur tun, um Aufmerksamkeit und Streicheleinheiten zu bekommen? Ich konnte da leider nicht widerstehen – und meine Freundin auch nicht. Also sahen wir immer aus wie durch den Matsch gezogen. Jedenfalls haben wir den ganzen Tag “in Hund” gemacht. Schliesslich wollten wir, dass neben all der Arbeit auch alle Hunde Aufmerksamkeit bekommen und vielleicht auch ein bisschen Spiel und Training.

Meine Freundin hat sich vor allem um die Border-Welpen gekümmert (die sind aber auch unwiderstehlich!), während ich mich um die älteren Hunde bemüht habe, vor allem Grumpy und Otto. Ich mag alte Hunde sowieso gern und finde es schrecklich, dass ausgerechnet die einfach ausgesetzt oder abgegeben werden. Es fiel mir unglaublich schwer, keinen der Hunde mitzunehmen! Aber ich habe einfach nicht genug Platz zu Hause -–und mein eigener Rüde würde Schwierigkeiten machen, sollte ich einen weiteren Rüden mitbringen. Aber ich überlege immer noch, ob ich nicht Higgins holen sollte. Was wirklich toll war, ist, dass keiner der Hunde in irgendeiner Weise agressiv gegenüber Menschen ist. Alle sind lieb und hören recht gut.

Damit hätte ich nicht gerechnet bei so vielen Hunden auf einem Haufen. Ich weiss allerdings nicht, wie meine Freundin das alles auf die Reihe kriegt. So ganz nebenher arbeitet sie ja noch ganztags. Ihr Freund hilft schon mit den Hunden, aber trotzdem steht sie jeden Morgen um 5.00 h auf, um die Hunde zu füttern und rauszulassen. Sobald sie von der Arbeit zurück ist, sind wieder nur Hunde (und Wäsche waschen) dran. Nie kommt sie vor Mitternacht ins Bett. Ich würde das im Leben nicht durchhalten! Ich bin jetzt schon 3 Tage wieder bei mir Zuhause – und immer noch fix und fertig! Denn ich habe in Irland keine Nacht mehr als 5 Stunden geschlafen, meistens nur 4 – und ich halte das auf die Dauer nicht durch! Jedenfalls bemühe ich mich jetzt darum, dass sie wenigstens irgendeine Art Hilfe bekommt. 

Vielleicht kann sie ja durch einen Futtermittelhersteller gesponsort werden. Oder aber Leser dieses Artikels würden gern einen der Hunde zu sich nehmen? Sie sind es wirklich wert – hätte ich keinen Hund gehabt, wäre ich mit mindestens Zweien, die sich gut verstehen, zurückgekommen!! Wenn jemand einen Blick auf manche der Hunde werfen möchte, Fotos und weitere Informationen sind unter “Border Collies in Not” zu finden.

SHARES
205
LIKES
205
  • #
  • #
  • #
  • #
  • #
  • #
  • #
  • #
  • #
  • #
  • #
  • #
  • #
  • #
  • #
  • #
  • #
  • #
  • #
  • #
  • #