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Der Deutsche Schäferhund und die Kasse

Der Deutsche Schäferhund und die Kasse

Rittmeister von Stephanitz wird heute noch als Galionsfigur und Gründer des „Deutschen Schäferhundevereins Augsburg“ (SV) hochgehalten und verehrt. Die Auswüchse um und im SV blieben ihm gottlob erspart. Eine Satire in der SV Zeitung 9/96 weist auf den Seiten 604/605 eine neue Variante des Deutschen Schäferhundes aus ! Schlagwort BERGABHUND. Dieser Begriff war bislang nur Insidern aus und um die Ausstellungsringe bekannt. Vordem wurden von Fanatikern aus ganz normalen Schäferhunden die BERGAUFHUNDE planvoll mittels Stachelhalsband an Bachläufen hochgezerrt. Dieses gegen jedes Tierschutzgesetz hohnsprechende Verfahren wurde solange geübt, bis der lange Hund immer länger und die Hinterhand immer schlaffer wurde. Aus solchen Paarungen entstanden Mutationen, das Ergebnis ist der BERGABHUND. Erst jetzt verweist der SV auf den heute noch geltenden Standard. Leider kommt die Reue zu spät. Eine Schadensbegrenzung dürfte für die einst so herrliche Rasse Jahrzehnte beanspruchen. Das ganze Geschehen wurde nicht allein aus optischen Erwägungen vollzogen, der finanzielle Hinterhalt war verlockend nach dem Motto „was abwegig und blöd ist, wird ohne Rücksicht auf Verluste durchgezogen“. Der Bergabhund wurde zum kynologischen Hit.

Der kleine beitragzahlende Züchter hatte diese Kreation niemals durchsetzen können. Führende Funktionäre konnten sich behaupten, so z.B. der Bruder des SV Präsident, Walter Martin. Dessen Nachruf auf Seite 623 sagt folgendes aus: „Es gibt keinen renommierten Siegertitel, den er mit seinen Hunden „von der Wienerau“ nicht errungen hätte. Allein in den letzten vier Jahren stellte er mit Znab und Vanta 1992 und nochmals mit Vanta 1994 drei Weltsieger in den Gebrauchshundeklassen. Es ist die höchste Krone, die ein Schäferhundezüchter national wie international überhaupt erringen kann. Nicht weniger als siebenmal stellte sein Zwinger den Zuchtgruppensieger auf den Bundessieger-Zuchtschauen des Vereins für Deutscher Schäferhunde. Mit insgesamt 363 (in Worten „dreihundertdreiundsechzig“) gezüchteten Würfen in knapp vier Jahrzehnten hat er viele Generationen Deutscher Schäferhunde geprägt. SV Präsident Hermann Martin nimmt sich ebenfalls als Hobbyzüchter, mit nur 206 Würfen „vom Zwinger Arminius“ eher bescheiden aus! Wer will und kann den echten Standard umsetzen?

Damit hat der SV selbst bestätigt, daß die Gebrüder Martin federführend am Bergabhund beteiligt waren. Als Richter und Körmeister bereisten sie die Welt. Der neue Typ gehört publiziert! Betrachten wir nun nicht die Jubelmeldung des SV, der reinen Wahrheit wollen wir ins Auge sehen.

Von 363 Würfen sind bei normaler Wurfstärke 2178 Welpen zu erwarten. Diese Welpen werden nicht an verdiente SV-Mitglieder verschenkt, nein, Weltreisen ermöglichen den Absatz bis nach Japan und den USA. Bis zu DM 100.000.- standen Sieger im Kurs! Nach einer Milchmädchenrechung ergeben 2178 Welpen einen Erlös von mindestens DM 10,890.000.–, das sind ÖS 76,289.000.–! Angenommener Welpenpreis nur DM 5000.-.

Aus Österreich liegen Erfahrungswerte vor: einige SV Hunde kamen nach Wien, eine Hündin nach Oberösterreich um ÖS 45.000.–. Diese mußte wegen schwerer Wesensmängel (Angstbeißer) vom Tierarzt erlöst werden. Die Schäferhunde von Wien liefen abgeschlagen der Konkurrenz hinten nach!

Für Geschäfte dieser Größenordnung braucht auch ein Präsident eine rechtlich einwandfreie Rückendeckung; dazu gibt es die Satzung!

Die Urfassung datiert auf anno 1946, eingetragen beim Amtsgericht Augsburg. Im Juni 1996 erfolgte ein Hurra:

Die Neufassung ist ab 1 .1.1997 in Kraft zu setzen.

Zwischenzeitlich wurden 60 Novellierungen beschlossen. Somit war keine komplette Satzung ein Jahr gültig. Auf sieben Din A4 Seiten ist in Kleindruck festgelegt, wie der Hase läuft. Der § 9 lit. c besagt, die Mitgliedschaft erlischt bei gewerbsmäßiger Betätigung als Hundehändler oder -vermittler. Ganz richtig dargestellt, es kann doch nicht jeder Züchter in die Domäne des Präsidenten eingreifen! Der SV hat zu viele berücksichtigungswürdige Züchterfunktionäre. Auch nicht die Tatsache hat diese Clique aufgescheucht, daß der Absatz bei der Deutschen Bundeswehr von einst 95% der Diensthunde auf nur mehr 15 % abgesunken ist. Siehe WUFF, Ausgabe November 1996. Steuerrechtlich beansprucht der SV auch die Gemeinnützlichkeit.

Damit sind wir bei des Pudels Kern. Jahrzehnte hat man gebraucht, um den Bergabschäferhund zu manifestieren. Nun kommen Quereinsteiger mit den weißen Exponaten und ruinieren den ohnehin abwärts ziehenden Umsatz der Herrenrasse. Das Fußvolk im SV wurde auch darauf gedrillt, neben allen anderen Rassen auch den Deutschen Schäferhund mit Ahnentafeln der ÖHU und EHU als Mischlinge zu deklarieren, dies auch dann, wenn die Ahnen im Zuchtbuch des SV eingetragen sind.

Legitim wäre, der SV-Augsburg, der VDH und die FCI mit allen internationalen Geschäftsstellen und Agenturen hätten den weißen Schäferhund im Rassenindex aufgenommen. Auf die lukrative Kreation Bergabschäferhund hätte sowohl die Kynologie und noch viel mehr der Leistungssport gerne verzichten können. Ein Gebrauchshund der den ehernen Gesetzen der Statik nicht entspricht, stellt sich selbst in Frage! Wenn Mode und Geschäftsgeist vorherrschen, bleibt das Wesentliche auf der Stecke. Das sinkende Interesse am Deutschen Schäferhund belegt dies eindeutig.

Ebenso wichtig wie das Erscheinungsbild ist auch der Charakter. Seit Jahren wird der Verlust am Kampftrieb, Mut, Temperament, Schärfe u.s.w. bei Körungen nicht grundlos bemängelt. Parallel sind Psyche und Physe erheblich belastet.

VERÄNDERUNG IM ZUCHTZIEL BEIM DEUTSCHEN SCHÄFERHUND

Als verständliche Einführung zum Thema BERGABSCHÄFER
diene die Erläuterung in Wort und Bild

Dargestellt im ÖHU Leitfaden für den Zuchtrichter, Seite 36 bis 38, untermauert von den wissenschaftlich fundierten Warnungen von Prof. Dr. Wilhelm Wegner, Kleine Kynologie – Terra Verlag, Konstanz“.

Vorzügliche Auslese 1929 im SV
Sieger von 1929
Spitzen V Rüde der SV Siegerhautzuchtschau 1973
Spitzen V-Rüde, 1a 1973

Keine andere Rasse wie der Deutsche Schäferhund wurde derart verstümmelt. Was bei einigen Zwerghunderassen durch den Drang zu Minihunden führte, wurde beim Schäferhund durch katastrophale Deformierung des Rückens erreicht. Da wie dort wurde dabei eine erhebliche Preissteigerung erreicht, je kleiner der Toy, desto größer der Preis, je mehr die Rückenlinie zu Boden sinkt, desto mehr wird der Preis angehoben!

Letzter Hit der vom SV empfohlene Deckrüde SZ.Nr.181 1073 SH H3. Der Trend nach unten setzt sich heute noch mehr fort, man beachte die Hinterhand, das Sprunggelenk hat den Boden fast erreicht, das nächste Zuchtziel wäre die Fortsetzung unter der Erde!

Vor Jahren machte schon Prof. Dr. Wegner auf diesen Mißstand aufmerksam.
Der Bergabschäferhund

Der von den ehemaligen SV-Präsidenten Dr. Rummel und Dr. Martin forcierte Prototyp des BERGABSCHÄFERHUNDES

Während früher fast quadratisch gebaute Tiere insbesondere mit steiler Nachhand und gerade verlaufender Rückenlinie das Bild bestimmten, wird in den letzten Jahren forciert auf die „harmonisch“ abfallende Rückenlinie bei starker Winkelung der Hintergliedmaßen und Ausbildung langer Röhrenknochen sowie rückwärts verlagerte Fußung gezüchtet.

Als Begründung gilt, daß von steilgestellten Hunden wenig Ausdauer und Raumgriff sowie kraftlose Bewegungen zu erwarten wären. Auf die hier angesprochene Problematik, insbesondere hinsichtlich einer möglichen Förderung der HD-Anfälligkeit durch das heute angestrebte Zuchtziel, wurde bereits hingewiesen. In der Tat erscheint dem unvoreingenommenen Betrachter der V-Rüde 1973 eher als zur Lendenlahmheit und „kraftlosen“ Bewegung prädisponiert, als der oben abgebildete, stabil auf vier Beinen stehende Hund, dem allerdings die elegant abfallende Rückenlinie fehlt. Diese findet bei vielen Züchtern offenbar so viel Gefallen, daß sie durch „Auseinanderreißen“ der Tiere bei der Standfotografie oder gar durch Fotografieren am Berg noch mehr betonen. Die Durchsicht des Bildmaterials der letzten SVZ-Ausgaben zeigt, daß sich daran trotz mehrfacher Ermahnung durch den 1. Vorsitzenden, Dr. Rummel, noch nicht viel änderte. Schon von Stephanitz prangerte aber den „hyänenhaften“ Hund mit abgeschlagener Kruppe und zur Täuschung herausgestellter Hinterhand an. Dieses leitet über zu der erblich dispositionellen Erkrankung, welche für den Deutschen Schäferhund trotz seit 1966 datierenden Gegenmaßnahmen immer noch ein großes Problem darstellt: die Hüftgelenksdysplasie (HD).

Der Schäferhunde Verein in Augsburg ist für die Erstellung eines Standards zuständig, welcher weltweit Gültigkeit hat. Die Graphik wird noch ergänzt durch die Beschreibung, darüber hinaus wird ein gewünschter Winkel von 23 Grad, gemessen Rückenlinie und Kruppe, angeführt. Hier scheidet sich Sein und Schein.
Kruppe ca. 23°

Wir sprechen bei unserem Hund in der Beurteilung von der Linienführung, die möglichst harmonisch sein soll:

  • Die Oberlinie beginnt an den Ohrenspitzen und verläuft ohne einen scharfen Knick oder Unterbrechung über den Rücken sanft abfallend bis zur Rutenspitze.
  • Die Unterlinie beginnt am Hals und führt über Vor- und Unterbrust nach hinten leicht ansteigend.

Die wichtigen Teile der Oberlinie sind:

  • Der Widerrist, er soll hoch und stark ausgeprägt sein und bildet beim ruhig stehenden Hund den höchsten Punkt auf der Rückenlinie.
  • Der Rücken muß gerade, kräftig bemuskelt und fest sein, er wird von 13 Rückenwirbeln gebildet.
  • Die Lenden sollen breit und kräftig sein. Es gibt sieben Lendenwirbel, die fest miteinander verbunden sind.
  • Die Kruppe soll lang sein und im Winkel von ca. 23 Grad leicht abfallen. Sie wird gebildet vom Darmbein, drei Kreuzbeinwirbeln, der Muskulatur und der Decke. Die Rute reicht im knöchernen Teil mindestens bis zum Sprunggelenk und soll nicht über die Mitte des Hintermittelfußes hinausragen, sie wird von 18 bis 23 Wirbeln gebildet.

Die wichtigen Teile der Unterlinie:

  • Die Brustbildung, sie bietet den inneren Organen wie Herz und Lunge den benötigten Raum und muß deshalb ausgeprägt sein.

Bei SV-Sonderschauen und- Ausstellungen ist diese Hinterhand auf vorderen Plätzen nicht mehr zu sehen, obwohl ordnungsgemäß der Hintermittelfuß gerade stehen soll, ein Winkel, Sprunggelenk, Boden ist obligat.

Dieser entartete Typ ist von Zuchtrichtern dort einzuordnen, wo sich auch andere mit schweren Mängeln behaftete Schäferhunde einfinden.

Ende der Durchsage

Der SV Standard ist Geschichte, wenn auch als Vorzeigemodell noch gültig, um das schlechte Gewissen zu entlasten. Theorie und Praxis stehen sich feindlich gegenüber! Der Deutsche Bergabschäfer ist seit 1996 unumstößliche Realität. Nachdem der SV den VDH und weitgehend die FCI beherrscht, erscheint uns die Aufnahme der Schäferhunde als eigene Variante im Rassenindex empfehlenswert. Ein neuer Standard müßte erstellt werden, wesentliches Merkmal: die Rückenlinie muß vom Hinterhauptstachel kontinuierlich über einen markanten Karpfenrücken bis zur zum Boden aufliegenden Rutenspitze verlaufen. Schwere Fehler: Sprunggelenk und Hodensack dürfen nicht total am Boden aufliegen.

Die Führung im SV im VSÖ und im SC wäre gut beraten, die unteren Hilfskräfte über den wahren Sachverhalt zu unterrichten. Zitat aus der ÖHU-Chronik Seite 7: „Landgericht München Zl: 7 0 4269/88. Der Verein für Deutsche Schäferhunde stellt das Klagebegehren, die Verwendung von SV-Zuchtbuchnummern bei Ahnentafeln verbandsfremder wie Int. Rasse- Jagd- Gebrauchshunde- Verband e.V. (IRJGV) und Österreichische Hundesport Union (ÖHU) etc. unter Strafe zu stellen. Die Zuchtbuchnummer wäre das geistige Eigentum des SV, denn diese zu erstellen bedarf 58 Arbeitsgänge“. Auszug aus dem Richterspruch: Das geistige Eigentum eines Zuchtbuches sei vergleichbar mit der Erstellung eines Telefonbuches, es reiht sich Nummer an Nummer. Die Klage wurde kostenpflichtig abgewiesen. Auch der VDH mußte Lehrgeld bezahlen; trotzdem verharren diese Organisationen bewußt auf der Verbreitung falscher Fakten. Lügen haben kurze Beine, deshalb wird die Opposition zu den ALLEINANERKANNTEN ständig größer.

Solche Schildbürgerstreiche müssen aufgezeigt werden, dazu fühle ich mich geradezu verpflichtet. Mein kynologischer Steckbrief spricht dafür: geboren 1916, Beruf Kriminalinspektor i.R., wohnhaft in Salzburg, aktiv im Hundesport seit 1952, führte einige Schäferrüden, nie gezüchtet. Gründer der Österreichischen Hundesport-Union 1954, Gründer der Europäischen Hundesport-Union 1971.

Mitgliederschaften: 1953 Beitritt zum ÖSV, (Österr. Schäferhunde Verein), 1954 Mitglied des Österr. Bergrettungsdienstes als Lawinenhundeführer, Ausweis Nr.1/220. Ab 1.1.1960 im SV Augsburg (Beitragsfrei als Träger des Goldenen SV Sportabzeichens für Lawineneinsätze). Am 20.5.1961 Ernennung zum Formwertrichter. Von 1960 bis 1965 Generalsekretär der UCI Brüssel, seit 1968 Vorsitzender des Österr. Kennel Club’s. All diese Funktionen übe ich bis dato bei vollster Gesundheit zum Nachteil der Andersgläubigen noch aus!

EHU Präsident

Walter Winkler

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