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Was Hündchen nie lernte – Sozialisierung erwachsener Hunde

Was Hündchen nie lernte – Sozialisierung erwachsener Hunde

Ein schon älterer Hund aus dem Tierheim oder im Erwachsenenalter gekauft, vererbt bekommen oder anderweitig erlangt, wirft sofort ein paar wesentliche Fragen auf: Welche Vorgeschichte bringt er mit? Hat er schlechte Angewohnheiten? Und wenn ja, lassen die sich wieder korrigieren? Welches Training ist dazu geeignet? Die Sozialisierung erwachsener Hunde scheint auf den ersten Blick tatsächlich fast mehr Fragen aufzuwerfen als bei Welpen. Vermutlich liegt es an den Päckchen, die auch wir erwachsenen Menschen mit uns herum tragen und nur zu gut als Laster, Unarten oder Traumata kennen. Ein ausgewachsener Hund
ist folglich ebenfalls kein unbeschriebenes Blatt und benötigt andere Trainingsmethoden als Junghunde, kann jedoch gleichermaßen (re)sozialisiert und lieb gewonnen werden. Vielleicht sogar mehr als erwartet, denn jeder Hund wird die neue Chance, die ihm gewährt wird, zu schätzen wissen und dankbar am glücklichen Miteinander arbeiten wollen. Es bedarf lediglich der richtigen Führung durch den Menschen.

Vorbelastete Hunde – eine zu große Herausforderung?

Gerade Hunde aus dem Tierheim werden vorschnell als Problemhunde deklariert. Und ja, viele haben eine dramatische Vergangenheit, von der sie unweigerlich geprägt wurden. Aber sie sind keineswegs hoffnungslose Fälle. Ähnlich wie bei Adoptivkindern oder Pflegekindern wird ein gewisses Maß an Einfühlungsvermögen, Geduld und Verständnis für die neuen Schützlinge benötigt.

Das allein genügt aber nicht. Tiere, die aus schlechter Haltung stammen und negative Erfahrungen gemacht haben, brauchen vor allem eins: Halt.

Dies erfordert klare Strukturen, Führungskompetenzen und Konsequenz. Im Prinzip die selben Voraussetzungen wie für einen Welpen. Worin liegt also nun der große Unterschied bei der Sozialisierung von Jung- und Althunden?

Zum einen ist die Herangehensweise beziehungsweise die Erwartungshaltung der neuen Besitzer grundverschieden. Zum anderen sind Welpen quasi ein leeres Gefäß. Sie lernen sehr schnell und nehmen neue Gewohnheiten sehr gut an. Ältere Hunde aber sind schon mit gewissen Voreinstellungen „gefüllt“. Diese müssen korrigiert oder erst gänzlich abgelegt werden, um Platz für Neues zu schaffen.

Tierheimhunde: Spezialfälle statt Sorgenfälle

Hunde im Tierheim
Foto: Celiafoto – Shutterstock
Nicht genau zu wissen, welche Vorkenntnisse und Angewohnheiten beim Hund vorliegen, macht die Angelegenheit so kompliziert. Vor allem bei Tierheimhunden sind in der Regel nur wenig Details aus der Vergangenheit bekannt. Die Pfleger versuchen daher immer durch Beobachten und Kontaktversuche abzuklären, wie sich der Hund verhält. Ob er verträglich mit anderen Hunden oder Katzen ist, ob er sich kinderlieb zeigt, Angst hat allein zu sein und so weiter. Anhand dieser groben Erkenntnisse bekommt der Hund einen Steckbrief zur Vermittlung: Knappe Angaben über seine vermutete Sozialisierung – leider bei Weitem nicht genug, um einen Hund wirklich einschätzen zu können.

Wer sich also für das Tierheim entscheidet, sollte gründlich und bewusst seine Wahl treffen. Viele Institutionen bieten daher Schnupperrunden an. Dabei können potentielle Interessenten ein paar Mal mit dem Hund spazieren gehen, ihn füttern, pflegen und so die ersten Eindrücke sammeln. Vielleicht ist es ja die große Liebe auf den ersten Blick. Mitunter überwiegt aber nur auch das Mitleid, welches langfristig nicht ausreicht, um Mensch und Tier glücklich zu machen.

Nicht zu vergessen sind die widrigen Umstände. Ein Tierheim ist eben kein richtiges Zuhause. Für viele Vierbeiner bedeutet die zusammengepferchte Haltung immensen Stress. Einige zeigen sich extrem scheu, andere eher aggressiv. Erst im neuen Zuhause lernen sie wieder, sich zu entspannen und zeigen ihr wahres Gesicht. Insbesondere das Revierverhalten kommt im Tierheim nur bedingt zur Geltung, entfaltet sich dann in der neuen Umgebung wieder vollends. Das muss jedoch nichts Schlechtes sein. Es sollte lediglich bedacht werden.

Privatvermittlung erwachsener Hunde

Hunde, die aus Privathaushalten direkt übernommen werden, wirken im ersten Moment
deutlich ausgeglichener. Das macht das Umprogrammieren auf neue Verhaltensregeln aber nicht automatisch leichter. Auch hier spielen Erfahrungen, erlernte Verhaltensmuster sowie gesundheitliche Befinden eine große Rolle. Durch gezieltes Nachfragen und Probephasen können die ersten Herausforderungen meist unmittelbar abgeklärt werden:

  • Ist der Hund stubenrein?
  • Lässt er sich anfassen?
  • Nimmt er Futter an?
  • Hört er auf seinen Namen?
  • Kennt er Grundkommandos wie „Sitz“ und „Bleib“?
  • Wie steht es um seine Gesundheit?

So lassen sich erste Entscheidungen relativ gut treffen. Fehlt zum Beispiel die Zeit, jeden Tag medizinisch notwendige Behandlungen durchzuführen, oder ist die Stubenreinheit besonders wichtig, fällt der ein oder andere Hund womöglich schon aus der engeren Auswahl.

Leinenführigkeit sollte als Kriterium nicht vorschnell beurteilt werden. Kaum ein Hund läuft tadellos mit neuen Menschen mit. Es fehlt schlicht weg an Vertrauen und Respekt – beides muss Mensch sich erst einmal verdienen. Prinzipiell lassen sich jedoch alle Herausforderung bewältigen, solange den zukünftigen Haltern bewusst ist, worauf sie sich einlassen und sie sich eben diesen Herausforderungen stellen wollen. Gedanken, die sich viele Menschen beim Welpenkauf leider kaum machen und somit eher mal an der Erziehung scheitern, als jene die sich ganz bewusst dafür entscheiden haben. Insofern sind die Erfolgsaussichten bei der Sozialisierung erwachsener Hunde durchaus sehr gut.

Welche Vorbelastungen können die Sozialisierung beeinträchtigen?

In erster Linie gehen Hundehalter beim Stichwort “Vorbelastungen“ von psychischen Folgeerscheinungen aus, wie zum Beispiel:

  • Berührungsängste als Folge von Misshandlungen
  • Angstzuständen wegen nicht artgerechter Haltung, beispielsweise weil der Hund zu oft alleine sein musste oder eingesperrt wurde
  • Aggression als Reaktion auf ebenfalls aggressiv geführte Haltung, teils weil die Hunde unnötig scharf abgerichtet wurden
  • Ungehorsam wegen mangelnder Erziehung
  • übermäßige Dominanz weil der vorherige Halter die Rolle des Rudelführers nicht ausgefüllt hat, keine Zeit oder Lust hatte
  • extremes Revierverhalten in Verbindung mit Verlustängsten
  • Bindungsschwierigkeiten und Misstrauen gegenüber Menschen, häufig weil negative Erfahrungen gemacht wurden
  • Zerstörungswut weil der Hund geistig und körperlich nicht ausgelastet ist
  • Weglaufen des Hundes, weil keine Bindung zum Revier und zur Familie geprägt wurde
  • häufiges Jaulen und Bellen, Ringen um Aufmerksamkeit und mehr, mangels erlernter Disziplin und Zuversicht

Viele dieser Anhaltspunkte prägen das Verhalten eines Tieres nachhaltig bis ins hohe Alter. Trotz bester Absichten und Bemühungen kann die Vergangenheit auch einen Hund immer wieder einholen und ihn regelrecht aus der Bahn werfen.

Darüber hinaus sind jedoch auch die körperliche und gesundheitliche Vorgeschichte maßgebend:

  • chronische Erkrankungen in Verbindung mit Schmerzen können Hunde berührungsempfindlich, scheu oder aggressiv machen
  • falsches Verhalten seitens der Vorbesitzer lässt manche Hunde ihre körperlichen Beschwerden unterdrücken, um keine Rüge zu bekommen, stattdessen leiden sie mehr oder weniger heimlich, manchmal überraschend plötzlich
  • körperliche Behinderungen wie Blindheit, Taubheit etc. beeinträchtigen die Wahrnehmung und die Bewegungsfreiheit des Hundes, auch wenn viele lernen, dies zu kompensieren, andere benötigen mehr Unterstützung
  • gesundheitliche Beschwerden können sich auch in Mattheit, Bewegungsunlust und Ähnlichem widerspiegeln und fälschlicherweise als Ungehorsam interpretiert werden

Es ist also absolut wichtig, die Hunde im Einzelnen zu betrachten und, wenn möglich, über einen längeren Zeitraum. Sich selbst als Halter und dem Tier Zeit zu geben, sich kennen zu lernen und in verschiedenen Situationen zu erleben, ist die Basis für weitere Sozialisierungsmaßnahmen.

Erwachsene Hunde artgerecht und kompetent sozialisieren

Tierheimhunde
Foto: Sanphat Chaisong – Shutterstock

Nicht immer können alle Ursachen für Fehlverhalten beziehungsweise unerwünschte Verhaltensmuster aufgeklärt werden. Die meisten lassen sich jedoch gut behandeln und korrigieren.

Auf der einen Seite steht dabei der Wunsch Störendes abzutrainieren, auf der anderen Seite persönliche Vorlieben anzutrainieren. Beides sollte nicht separat betrachtet werden, sondern immer als Ganzes. Gute Manieren können die alten nur verbessern, umwandeln, im besten Fall ersetzen – jedoch lassen sie sich je fortgeschrittener das Alter des Hundes ist, umso schwerer komplett neu etablieren.

Tatsächlich wollen viele Hunde ab einem bestimmten Lebensalter auch gar nichts mehr Neues dazu lernen. Zunehmend fällt es ihnen schwerer sich zu konzentrieren und Ungewohntes zu akzeptieren. Da geht es ihnen kaum anders als uns Menschen. Entsprechend verständnisvoll sollte unsereins Rücksicht darauf nehmen.

Daher folgen an dieser Stelle ein paar Tipps, wie vorhandene Probleme möglichst einfach gelöst werden können, um eine solide Basis für das Miteinander zu schaffen, sei es nun bei neu zugelegten Althunden oder bei bereits gehaltenen, die eine kleine Auffrischung ihres Sozialverhaltens benötigen.

Regel Nummer 1 des Hundehalter-Kodex: Sei immer ein Vorbild

Ängstliche Menschen sollten sich nicht noch zusätzlich ein verängstigtes Tier halten. Damit wäre keinem geholfen. Die eigenen Schwächen zu erkennen, ist unbedingt nötig, bevor man sich ein geeignetes Tier sucht. Gerade schreckhafte und scheue Hunde benötigen Sicherheit, folglich jemanden an ihrer Seite, der ihnen genau diese vermitteln kann. Und zwar ständig, ohne auch nur den geringsten Zweifel.

Allein durch Ruhe ausstrahlen, Geduld haben und konsequent sein, entsteht eine stabile Struktur, auf die sich das Tier jederzeit verlassen kann. Wer aber auf einen verängstigen Hund permanent einredet, insgeheim versucht, sich selbst zu beruhigen, oder umgedreht immer wieder hektische Situationen heraufbeschwört (zum „Abhärten“), erreicht nur eins: Stress.

Vielmehr sollten solche Hunde die Möglichkeit haben, von sich aus den Zeitpunkt zu bestimmen, an dem sie weniger bis irgendwann gar keine Angst mehr haben. Der Hundehalter begleitet sie auf diesem Weg, steht ihnen bei und viel wichtiger noch, führt sie. Dabei übernimmt er die Rolle des Vorbilds und geht im wahrsten Sinnen des Wortes mit gutem Beispiel voran. Die Selbstsicherheit des Menschen legt sich dann unweigerlich auf das Gemüt des Hundes nieder und hilft ihm seinerseits Selbstsicherheit zu entwickeln.

Regel Nummer 2: Führungsqualitäten sind zu beweisen

Wer als Vorbild voran gehen will, muss auch wissen, wo es lang geht. Die Hierarchien innerhalb der Familie sollten unwiderruflich festgelegt sein. Ein Hund, der keine Führung hat, sieht sich häufig genötigt, diese selbst zu übernehmen. Das reicht bis hin zum Hüten der Kinder, Bewachen der Eingangstür und anderem dominanten Verhalten. Irgendwann bestimmt nicht mehr der Hundehalter, was erlaubt ist und was nicht, sondern sein Hund.

Unerfahrene Halter mögen das vielleicht sogar toll finden – zum Beispiel wenn der Hund auf die Kinder aufpasst. Aber diese stehen in der Hierarchie normalerweise über dem Hund. Nicht zu vergessen, dass sie älter und eigenständiger werden. Und auch die Gefahr, dass andere Kinder und Erwachsene, die zum Spielen vorbei kommen wollen, vom Hund gestört, verbellt oder gar gebissen werden können, sollte nicht unterschätzt werden. Greift der Hundehalter dann erst ein, ist es eigentlich schon zu spät.

Das gleich gilt für Wachhunde, die entscheiden, wer zu Besuch kommen darf. Nicht der Hund darf oder soll so eine Entscheidung treffen, sondern in erster Linie der Mensch. Unsere Vierbeiner können sehr wohl unterscheiden, ob Herrchen oder Frauchen zugegen sind und Besuch empfangen möchten oder ob es sich des Nacht um einen heimlichen Einbruchversuch handelt. Bewachen heißt eben nicht führen.

Die Führung obliegt einzig und allein dem Menschen. Folglich auch die Verantwortung. Die Kompetenz dazu wird von so manchem adulten Hund gerne in Frage gestellt: Aus Gewohnheit, bedingt durch seine Vergangenheit, womöglich weil es die Vorbesitzer schon falsch gehandhabt hatten. Hier muss der neue Mensch ganz klar Führungsqualität beweisen und darf keine Zweifel an sich aufkommen lassen.

Regel Nummer 3: Kommunikation ist alles

Entscheidend ist dabei eine eindeutige Kommunikation ohne Spielraum für Missverständnisse. Mit anderen Worten: Klare Kommandos geben, entweder mit fester Stimme und/ oder mit Handzeichen. Sinnloses Wiederholen, lauter werden oder Herumfuchteln versteht niemand als hilfreich. Nicht einmal ein Hund.

Viel zu oft sieht man vor Unsicherheit laut bellende Hunde neben ständig mit ihnen schimpfenden Menschen. Keiner hört dem anderen wirklich zu, von Verstehen kann schon gar keine Rede sein.

Um die Kommunikation mit dem Hund zu optimieren, muss der Mensch die seine klar und konsequent halten, aber auch die des Hundes begreifen. Ein erwachsener Hund hat bereits eine Kommunikationsweise entwickelt, die jedoch sehr wahrscheinlich speziell auf den Vorbesitzer angepasst war. Nun muss er andere Befehle verstehen und diese richtig interpretieren lernen. Das braucht Zeit und vor allem eben Eindeutigkeit.

Zum Beispiel wird das Kommando “Sitz“ nicht nach Belieben mal mit dem Wort “Hinsetzen“ oder mit “Jetzt bleib doch mal endlich sitzen“ ausgetauscht. Es heißt dann immer nur “Sitz“. Es wird auch nicht zehnmal in verschiedenen Tonlagen und Höflichkeitsformen wiederholt. Schließlich wird der Hund nicht um Mitarbeit gebeten, es wird ihm kommandiert.

Dabei darf die Stimme natürlich freundlich sein, sie sollte nur nicht in ihrer Klarheit schwanken. Bevor also ein Kommando gegeben wird, muss sich Herrchen oder Frauchen sicher sein, was er beziehungsweise sie will. “Sitz“ heißt dann auch setzen und nicht “Hauptsache irgendwie still halten“.

Mit dem Stimmlage kann eine Situation zudem optimal ver- oder entschärft werden. Sie kann demnach beruhigend wirken, oder sofortige Konzentration verlangen. Auch dies sollte gezielt angewendet werden und nicht nach Lust und Laune.

Hunde, die viel angeschrien oder umgekehrt ständig gebeten werden, stumpfen irgendwann den vermeintlichen Kommandos gegenüber ab. Sie verstehen viel, aber sie sprechen nun mal keine Menschensprache. Vielmehr nehmen sie uns durch unsere Körperhaltung, Mimik und Gestik wahr.

Daher ist es hilfreich, Kommandos mit Gesten zu kombinieren oder ausschließlich Gesten als Kommando zu nutzen. Um beim Beispiel “Sitz“ zu bleiben, wäre dies der erhobene Zeigefinger. Die sich nach unten bewegende, ausgestreckte Hand steht für “Platz“ und so weiter.

Auch ältere Hunde lernen so noch neue Kommandos, solange sie eindeutig und unmissverständlich kommuniziert werden. Gegebenenfalls kann ein Clicker das Training unterstützen.

Regel Nummer 4: Die Hausordnung

Mit einer neuen Wohnsituation gehen auch immer wieder Konflikte zwischen Zwei- und Vierbeiner hinsichtlich des sozialen Miteinanders einher. Dabei spielt es eine große Rolle, ob bereits Tiere vorhanden sind, kleine Kinder frei herumlaufen, ob der Platz für alle ausreicht und wie gut alles für den Neuankömmling vorbereitet ist.

In der Tat ist es schwierig und daher wenn möglich zu vermeiden, Hofhunde dauerhaft in eine enge Wohnung zu holen oder umgekehrt alteingesessene Wohnungshunde noch an die Zwingerhaltung zu gewöhnen. Zu eng sind Gewohnheit und Nähebedürfnis miteinander
verwoben. Ähnlich verhält es sich übrigens auch mit Wohnungskatzen und Straßenkatzen.

So sind Zwingerhunde zum Beispiel nicht an die klimatischen Verhältnisse trockener Heizungsluft gewöhnt. Ein bislang auf dem Sofa verwöhnter Hund würde dagegen im Zwinger weggesperrt schier verzweifeln. Die Eingewöhnungsprobleme gehen dann zum Teil soweit, dass gut erzogene Tiere wieder unrein werden, wogegen andere eine blinde Zerstörungswut entwickeln, weil sie nicht ausgelastet sind.

Während Junghunde und Welpen relativ gut an die persönliche Wohnsituation gewöhnt werden können, fällt es älteren Hunden womöglich etwas schwerer andersartige Umstände zu akzeptieren. Hier bedarf es ein wenig Zeit.

In der ersten Phase sollte sich Herrchen oder Frauchen im Idealfall frei nehmen und dem Hund in Ruhe alles zeigen, Routinen entwickeln und ihn dann nach und nach ein paar Stunden unbeaufsichtigt lassen.

Wichtig sind feste Standorte für Futter und Frischwasser sowie ein oder zwei Schlafplätze, zu denen der Hund jederzeit uneingeschränkten Zugang hat. Diese essentiellen Anhaltspunkte vermitteln bereits das Gefühl willkommen zu sein und einen dauerhaften Platz in der neuen Familie zu bekommen.

Parallel sollten gleich zu Beginn klare Regeln aufgestellt werden, die eben nicht erst nach ein paar Tagen gelten, sondern sofort. Auch wieder um Missverständnissen vorzubeugen. So wird geklärt, ob der Hund aufs Sofa darf, wer zuerst durch die Tür geht und wann es Futter gibt. Zudem sind Gassi-Zeiten und Tabuzonen von Anfang an abzustecken. Nur so kann der Hund schließlich wissen, welche Rolle er zu spielen hat.

Regel Nummer 5: Der Artgenossen-Knigge

Ältere Hunde genießen nun weder Welpenschutz noch sind sie sonderlich unterwürfig. Im Gegenteil: Gerade die Opas und Omas unter der Hunden können ganz schön grantig werden. Das hat weniger etwas mit Dominanz zu tun, sondern vielmehr mit Selbstschutz. Wer nicht mehr so kann, langsam träge und alt wird, will seine Ruhe haben. Wurde dieses Verhalten vorher früher toleriert oder gar gefördert, wundert es nicht, dass sich viele ältere Hunde unbeliebt bei Mensch und Tier machen.

Obwohl das Verhältnis zum Besitzer relativ gut korrigiert werden kann, finden viele die Sozialisierung gegenüber anderen Hunden und Tieren weitaus schwieriger. Hier steht eben kein Vorbild mit Führungskompetenzen gegenüber, sondern ein gleich oder gar niedrig Gestellter.

In solchen Fällen müssen Hundehalter vermehrt aufpassen und gegebenenfalls eingreifen. Sonst heißt es zwar immer, die Hunde würden das unter sich aus machen, aber wer seinen neuen, alten Hund noch nicht gut genug einschätzen kann, muss sich der gesonderten Verantwortung bewusst sein und ebenso bereit halten, entsprechend zu reagieren.

Vorsichtshalber sind stressige Situationen also behutsam anzugehen. Wie reagiert der Hund auf dominante Rüden? Wie auf spielende Hunde? Oder jene die ihm aufdringlich werden? Der rechte Mittelweg zwischen sich selbst, den eigenen Hund und die anderen zu schützen ist nicht immer leicht zu wählen. Mit der Zeit lernen jedoch Hund und Mensch auf die gegenseitigen Instinkte zu vertrauen und natürlich auch sich selbst.

Zu all dem ist das Alter des Menschen ebenfalls ausschlaggebend in Bezug auf die Sozialisierung erwachsener Hunde. Im Idealfall gesellt sich Gleich und Gleich zusammen, sowohl was das Alter betrifft als auch die Mentalität. Natürlich können auch junge Menschen und Anfänger mit erwachsenen Hunden glücklich werden. Die Bedürfnisse nach Bewegung, Beschäftigung und Ruhe sollten aber im besten Fall im Einklang miteinander stehen. Das erleichtert das Zusammenleben und glücklich werden auf so vielfältige Weise.


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