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Der Jagdhund als Familienhund kommt in Mode

Der Jagdhund als Familienhund kommt in Mode

Foto: Serova_Ekaterina – Shutterstock
Sportlich. Elegant. Ehrgeizig. Diese Attribute klingen auf Anhieb nach Leistung auf hohem Niveau, und nicht zuletzt klingen sie auch äußerst trendig. Die Rede ist allerdings nicht von einem Sportwagen oder dergleichen, sondern von einem Hund. Dem neuen Modehund. Tatsächlich scheinen viele Menschen von bequemen Schoßhündchen die Nase voll zu haben, und suchen vielmehr einen Partner, der sie beim Joggen begleitet, beim Wandern, beim Reiten, und so weiter. Wer wäre da besser geeignet als ein Jagdhund, der zugleich familienfreundlich ist? Runter vom Sofa und raus an die frische Luft, heißt die neue Devise. Und kaum einer kann sich dem unentwegten Eifer dieser Hunde widersetzen, was sie wiederum zu perfekten Begleitern für Abenteuer aller Art macht. Aber auch ein Jagdhund hat Ansprüche, die seines Gleichen suchen: Mehr dazu im folgenden Beitrag.

Der neue beste Freund des Menschen

Es mag daran liegen, dass die Zahl der Singles stetig steigt und sie sich in ihrem Alltag unterfordert fühlen. Aber auch dass vielen schlichtweg ein geeigneter Cardio-, Spinning-, Workout- und Kuschelpartner fehlt. Am liebsten alles in einem. Generationenübergreifend suchen Menschen nach solch einem sportlichen Partner, der nicht gleich nach einem Monat die Lust verliert oder bei unliebsamen Wetter sich ziert, raus zu gehen. Kein anderes Haustier erfüllt derartige Wünsche besser als ein Hund. Ein gut trainierter wohlgemerkt. Einer mit Ausdauer und Leistungsbereitschaft.

Und so fällt die Wahl immer öfter auf Jagdhundrassen. Über Jahrhunderte hinweg dahingehend gezüchtet, bringen sie alles mit, was auch ein moderner Familienhund braucht:

  • den sportlichen Körperbau: belastbar, schnell, wendig und trittsicher
  • langjährige Ausdauer, um auch im hohen Alter noch geistig sowie körperlich fit zu sein
  • wenig gesundheitliche Vorbelastungen oder rassespezifische Risiken
  • Lernfähigkeit, Intelligenz und gute Hörigkeit
  • einen enormer Bewegungsdrang über kurze und lange Strecken

Ein solcher Hund muss natürlich entsprechend gefordert und gefördert werden, um sein volles
Potenzial zu entfalten. Andernfalls kann er nämlich durchaus zum Problem für die Familie werden beziehungsweise selbst erhebliche Probleme bekommen. Ein angemessenes Gleichgewicht muss also geschaffen werden, in Hinblick darauf, den Jagdhund als Familienhund tatsächlich artgerecht zu halten.

Jagdhund
Foto: Tsuguliev – Shutterstock

Der Jagdhund im Detail

Jagdhunde zählen neben den Schutzhunden und den Hütehunden zu den ältesten Züchtungen überhaupt und sind entsprechend intensiv domestiziert. Seit jeher dienen sie dem Zweck, Menschen bei der Jagd nach Wild zu unterstützen. Die Aufgaben während einer solchen Jagd fallen jedoch recht spezifisch aus, je nach dem, welches Wild gejagt wird, mit welchen Mitteln und welche Vorteile der Hund dabei zur Geltung bringen soll.

So entwickelten sich im Laufe der Zeit einschlägige „Berufsgruppen“ unter den Jagdhunden. Entsprechend ihrer Aufgaben werden sie ganz gezielt gezüchtet, trainiert und klassifiziert.

Stöberhunde

Wie der Name schon vermuten lässt, ist die Aufgabe der Stöberhunde bei der Jagd das Aufstöbern des Wildes. Sie sind die eigentlichen Jäger, die die Beute überhaupt erst aufspüren. Dabei gehen sie meist sehr selbstständig und äußerst intuitiv vor. Der Jäger beziehungsweise Hundeführer ist dann schon oftmals weder in Sichtweite noch in Hörreichweite.

Die verschiedenen Jagdhundrassen sind dabei auf das jeweilige Gelände spezialisiert sowie auf die gewünscht Art der Jagd und nicht zuletzt auf das Zielwild. Zum Beispiel sind Bracken hervorragend für die Jagd durchs Unterholz und Dickicht geeignet, da sie selbst sehr klein sind. Man misst sie auch nicht in der Widerristhöhe, sondern am Brustumfang – ob sie zum Beispiel noch in einen Fuchsbau passen. Bei der Fuchs- und Hasenjagd ist daher mitunter von “Brackieren“ die Rede. Bracken sind aber auch sehr mutig und durchaus für die Jagd auf Wildschweine geeignet. Die bekanntesten Stöberhunde sind allerdings die diversen Spaniel Rassen, wie English Cocker Spaniel und Clumber Spaniel.

Und ganz gleich ob Schwarzwild, Rotwild, Wiese, Feld, Wald, Dachsbau: Eines haben Stöberhunde gemein. Haben sie einmal ihre Beute gefunden, werden sie spurlaut. Sprich, sie bellen und geben damit dem Jäger das Signal fündig geworden zu sein. Gleichzeitig wird das Wild aufgescheucht und ins freie Visier des Jägers getrieben.

Im Umkehrschluss sind Stöberhunde als unterforderte Familienhunde sehr bellfreudig und können nicht nur quirlig, sondern regelrecht anstrengend werden. Sie brauchen eine Aufgabe, wollen auf die Pirsch gehen und vor allem brauchen sie Erfolgserlebnisse.

Richtig trainiert bringen diese Hunde aber auch viel Eigeninitiative mit und können sehr gehörig werden. Ihr Verhalten ähnelt schon fast dem eines Hütehundes. Sie schleichen, bellen, springen – eine rege Mischung aus Taktiken, um das Wild aufzuscheuchen. Entsprechend agile Familienhunde geben sie ab und scheuchen so manches Mal ihre Zweibeiner auf. Sie suchen Herausforderungen, kennen keine Scheu und machen jeden Trip ins Freie mit.

Wasserhunde

Eine spezielle Unterart der Stöberhunde sind Wasserhunde. Im Prinzip bringen sie dieselben Eigenschaften mit, nur sind sie in ihrem ganzen Wesen spezialisiert auf die Jagd am und im Wasser. Wildenten und Fische zählen zum Beispiel zu ihrem Beuteschema.

Typisch für Wasserhunde ist ein besonderes Fell, das gekräuselt ist und daher sehr gut wasserabweisend und schnelltrocknend. Sie sind quasi die Hightech Outdoor Spezialisten unter den Jagdhunden. Selbst eiskaltes Wasser macht ihnen nichts aus. Dafür lassen sie aber auch keine Pfütze aus. Wer also viel baden geht und Seen liebt, hat hier den idealen
Familienhund gefunden.

Typische Wasserhunde sind zum Beispiel der Barbet und der Irish Water Spaniel. Ihr Fell ist vergleichbar mit dem von Pudeln. Sie haaren kaum bis gar nicht und sind besonders für Allergiker geeignet – ein großer Pluspunkt als Familienhund.

Vorstehhunde

Diese Jagdhunde haben eine ganz besondere Eigenart, aufgestöbertes Wild ihrem Hundeführer anzuzeigen: Sie bleiben stehen ohne Laut zu geben. Stattdessen heben einen Vorderlauf an und weisen mit ihrer Nasenspitze in die Richtung der Beute (sogar ohne Sichtkontakt zu haben).

Da sie dabei nicht bellen, wird das Wild nicht aufgescheucht und der Jäger kann sich nun selbst heranschleichen bis er ein freies Schussfeld hat. Dieses “Vorstehen“ ist ein im Grunde genommen angeborenes Verhalten, dass auch bei anderen Hunderassen beobachtet werden kann. Vorstehhunde haben diese Fähigkeit jedoch auf hohem Niveau verfeinert. Sie agieren nicht wie andere Stöberhunde eigenmächtig, sondern schleichen sich vorsichtig an die Beute heran, bleiben aber bei der eigentlichen Jagd zurück und überlassen dem Jäger dann das Feld.

Die Vorteile eines Vorstehhundes als Familienhund liegen damit klar auf der Hand: Er ist nicht schreckhaft, aber zurückhaltend. Er ist nicht laut, aber konzentriert. Er wird nicht vom Jagdtrieb torpediert, besitzt aber ein hohes Maß an Intelligenz. Weimaraner, English Pointer, Gordon Setter, Münsterländer und der Deutsche Kurzhaar sind zum Beispiel typische Vorstehhunde, die sich auch als Familienhunde längst bewährt haben.

Fährtenhunde

Der Bloudhound ist ein typischer Vertreter dieser Jagdspezialisten. So blutig sein Name auch klingen mag – er bezieht sich auf das Aufspüren angeschossen und davon gelaufener Beute, und damit auf die sogenannte Nachsuche. Quasi nach Tieren, die eine Blutspur hinterlassen. Aber auch der pure Geruch eines Beutetieres lässt die überaus begabten Fährtensucher los eilen. Sie werden daher auch als Schweißhunde bezeichnet sowie als Laufhunde, da sie dabei erhebliche Strecken zurück legen.

Ihr Geruchssinn ist selbst für einen Hund bemerkenswert überdurchschnittlich ausgeprägt. Sie verfolgen die einmal aufgenommene Fährten über Stunden und Kilometer hinweg. Eine beachtliche Ausdauerleistung, die daher auch regelmäßig trainiert werden muss. Die Fährtenhundeprüfung ist schließlich nicht ohne – die manuell gelegte Fährte verläuft zum Teil in spitzen Winkeln und Bögen, wird von anderen “Verleitungsfährten“ gekreuzt und mit mehreren Gegenständen präpariert, die der Hunde allesamt finden muss.

Heute werden derart professionell ausgebildete Hunde oft als Such- und Rettungshunde eingesetzt, beispielsweise um entflohene Häftlinge oder verirrte Senioren zu finden, als Lawinenhunde oder eben auch als Familienhunde für jene ebenfalls ausdauernde Menschen, die viel wandern und spazieren gehen, dabei auch gerne mal einfach der (Hunde)Nase nach.

Immer dieselbe Route Tag für Tag abzulaufen, würde einen Fährtenhund nämlich nicht auslasten. Er wandert stets auf neuen Spuren und sucht das Abenteuer. Für diese Hunde ist der Weg das Ziel. Ihr Auslaufbedürfnis ist dementsprechend enorm.

Apportierhunde

Apportierhunde haben ein sogenanntes “weiches“ Maul. Ihre Aufgabe ist es, das auf lange Distanz geschossene Nieder- und Federwild aufzuspüren und möglichst unversehrt zum Jäger zu bringen. Kurzum: Sie sollen apportieren. Der Hund darf dabei nicht selbst über die Beute herfallen, damit sie zum Weiterverarbeiten geeignet bleibt.

Das macht die sanften Wesen parallel zu sehr guten Familienhunden, insbesondere wenn kleine Kinder im Spiel sind. Der Labrador Retriever sei hier als klassisches Beispiel für einen Apportierhund genannt. Selbst beim wilden Spielen beißt er möglichst vorsichtig nach dem Spielzeug, zieht mit Bedacht daran und ist generell sehr rücksichtsvoll.

Zuverlässige Jagdhunde
Foto: juliazara – Shutterstock

Was ist beim Jagdhund als Familienhund zu beachten?

Anders als herkömmliche Haus- und Schoßhunde, wie etwa der Mops oder der Pudel, ist ein Jagdhund nicht nur viel in Bewegung, sondern dabei erstaunlich ausdauernd. Die Tiere haben einen immensen Bewegungsdrang, den sie tagtäglich ausleben wollen. Kurze Runden um den Block oder Dauer-Stuben-Hocker sind nichts für das aufgeweckte Gemüt eines Jagdhundes. Wird er aber gut trainiert und ausgelastet, kommt sein überaus geselliges, loyales und intelligentes Wesen der ganzen Familie zu Gute.

Leider wird oft unterschätzt, wie selbstständig ein Jagdhund sein kann. Konsequente Führung ist daher ein Muss. Ansonsten suchen die Vierbeiner nämlich auch schnell mal das Weite, sobald sie auch nur die geringste Chance auf ein Abenteuer wittern, sei es ein Hase oder eine läufige Hündin. Die Strecken, die sie dabei zurücklegen sind beachtlich und nicht immer lässt sich ein Jagdhund einholen.

Damit er also als Familienhund sein Glück findet, müssen die Zweibeiner einiges beachten.

Auslauf: Höher, schneller, weiter

Wie bereits angedeutet, brauchen Jagdhunde sehr viel Auslauf. Und das jeden Tag. Zwei, besser noch vier Stunden sind eigentlich Minimum. Andernfalls kann es passieren, dass der Energieüberschuss in blankem Zerstörungswahn endet, in Aggression oder sogar mit gesundheitlichen Folgen wie Artrose und Übergewicht. Viele Hunde kompensieren mangelnde Bewegungsfreiheit und geistige Unterforderung, indem sie das Sofa zerlegen, die Zimmerpflanzen ausbuddeln oder Urin-Pfützen und andere Hinterlassenschaften mitten im Weg platzieren, nur um ja beachtet zu werden.

Ob nun als stiller Protest oder deutliche Kritik: Ein unterforderter Hund macht sich bemerkbar. Und das eben nicht auf eine Art und Weise, die unsereins lieb wäre. Also heißt es, regelmäßig den Hund auslasten. Lange Spaziergänge, Fahrradtouren, Wanderungen und sonstige Ausflüge sollten immer wieder für Abwechslung sorgen. Die Jagdfreudigkeit führt leider oft zu Konflikten. Zum Beispiel mit örtlichen Förstern. Als Kompromiss kann eine Schleppleine dienen, die gleichzeitig für Bewegungsfreiheit und Kontrolle sorgt.

Selbst bei schlechtem Wetter oder Krankheit lassen sich geeignete Beschäftigungsmöglichkeiten finden, wie etwa Versteckspiele mit Leckerlis, ein Agility-Parcours, Denksportaufgaben mit entsprechendem Hundespielzeug oder wenigstens ausgiebiges Pflegen.

Pflege: Von Kopf bis Pfote

Die Besonderheit bei Jagdhunden, die eben viel unterwegs sind, ist ihre Krallenpflege. Einerseits entfällt das routinemäßige Kürzen der Krallen, vorausgesetzt diese werden stetig abgelaufen, andererseits ist das Verletzungsrisiko höher, wenn der Jungspund durchs Dickicht pirscht, Flussbetten aufwühlt oder lange Strecken zurück legt. Dementsprechend gilt das Hauptaugenmerk eher den Ballen. Eingezogene Splitter, Blasen und offene Wunden können dem Hund stark zu schaffen machen. Unter Schmerzen wird er sich weniger bewegen können, was wiederum zur bereits erwähnten, unliebsamen Kompensationen der vielen Energie führt. Kurzum: Die Sportler unter den Hunden sollten stets fit unterwegs sein.

Ein weiterer Aspekt dabei ist das Fell. Hunde, die Winter wie Sommer viel draußen sind, haben einen ausgeprägten Fellwechsel. Diesen gilt es mit Bürsten und Pflegeprodukten zu unterstützen, damit die Atmung über die Haut aktiv bleibt und das Fell den Hund weiterhin optimal schützt.

Ernährung: Mit einem Haps im Maul

Pflege erfolgt ebenso über die Ernährung. Spezielle Futterzusätze kräftigen das Fell, unterstützen das Knochenwachstum und insbesondere die Gelenke. Häufig sind eben diese beim Jagdhund gesundheitlich gefährdet, schlichtweg auf Grund von Abnutzung. Wer aber schon im Welpenalter auf die richtige Ernährung seines Lieblings achtet, sorgt für beste Voraussetzungen, dass er lange fit und gesund bleibt.

Ein älterer Jagdhund, der nicht mehr so lange und viel unterwegs sein kann, benötigt demzufolge auch angepasstes Futter. Es sollte dann weniger energiereich sein, gemessen daran, wie viel Bewegung der Hund noch hat. Sonst drohen Übergewicht und Herzprobleme.

Darüber hinaus unterscheidet sich die Ernährung kaum von der anderer Hunderassen. Wichtig ist eine ausgewogene Energiezufuhr und eine Lebensweise, die auf langfristige Gesundheit zielt. Tatsächlich haben nämlich Jagdhunde mit die höchste Lebenserwartung (im Schnitt zwischen 10 und 15 Jahren) und leiden unter vergleichsweise wenigen Vorbelastungen. Weitere Gründe, die den Jagdhund als Familienhund attraktiv machen und insbesondere als moderne Alternative zu Qualzuchten und anderen Rasseproblemen.

Familie und Hund gemeinsam auf Jagd

Wer sich für einen Jagdhund als Familienhund entscheidet, sollte sich also die einzelnen Rassen unbedingt näher anschauen. Unter den Jagdhunden gibt es eine Menge Unterschiede, angefangen bei der Körpergröße über Wesenszüge bis hin zu zuchtbedingten Besonderheiten und artspezifischen Gesundheitsrisiken.

Aktive Familien, die viel mit dem Fahrrad unterwegs sind, joggen, reiten, wandern und so weiter, finden im Jagdhund den idealen Begleiter. Das gilt natürlich auch für Singles. Ältere Menschen sollten sich jedoch genau überlegen, ob sie dem Temperament eines Jagdhundes Tag für Tag gerecht werden können.

Damit die Familie samt Hund glücklich ist, braucht es dann nur noch viel Zeit füreinander und abwechslungsreicher Ideen diese zu verbringen. Dann wird es mit einem Jagdhund garantiert nie langweilig. Er steht der Familie immer zu Seite, mutig, bedingungslos treu und wenn es sein muss, auch bis ans Ende der Welt.


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